Ein Angestellter verdient nominal 140.000 Euro im Jahr. Die Bank setzt in ihrer Kalkulation jedoch lediglich 90.000 Euro an. Der gesamte Rest wird als variabel eingestuft. Er fällt damit komplett aus dem Raster. Dieses Szenario erleben gut verdienende Angestellte in regelmäßigen Abständen. Das passiert besonders dann, wenn die Vergütung neben dem Grundgehalt zu signifikanten Teilen aus Boni, Aktienanteilen, virtuellen Anteilen oder klaren Gewinnbeteiligungen besteht. Auf der monatlichen Gehaltsabrechnung ist die volle Summe zwar schwarz auf weiß ausgewiesen. In der Tragbarkeitsrechnung der Banken kommt am Ende jedoch oft nur der fixe Teil an.
Für die Betroffenen bedeutet dies eine deutlich kleinere Finanzierungszusage. Sie fällt geringer aus, als es das tatsächliche Einkommen erlauben würde. Das liegt keineswegs an mangelnder Liquidität. Der Grund ist vielmehr die standardisierte Funktionsweise der Antragsprüfung. Diese Systeme sind auf klassische Einkommensformen ausgerichtet. Sie passen zu Tarifverträgen mit einem festen Bruttogehalt. Dieses fließt zwölf Mal im Jahr planbar. Jede Abweichung von diesem Standard wird im automatisierten Prozess als unsicher behandelt. Die Beträge werden folglich abgewertet oder komplett gestrichen.
Warum variable Vergütung aus dem Raster fällt
Hinter dieser strengen Praxis steht eine grundlegende Vorsichtsregel der Risikoprüfer. Sie fragen sich primär, auf welches Einkommen im Ernstfall absolut Verlass ist. Ein Bonus kann theoretisch gekürzt werden. Zudem hängen Aktienanteile direkt am jeweiligen Aktienkurs. Aus dieser rein konservativen Perspektive gilt der variable Anteil als nicht garantiert. Er wird im Standardverfahren lieber ignoriert. Das eigentliche Problem liegt in der pauschalen Anwendung dieser Vorsichtsmaßnahme. Sie wird undifferenziert auf alle Fälle angewendet.
Ein vertraglich geregelter Zielbonus fließt vielleicht seit fünf Jahren konstant. Dennoch erfährt er dieselbe Behandlung wie eine einmalige Sonderzahlung. Regelmäßig übertragene und verkaufte Aktienanteile eines börsennotierten Großkonzerns landen im selben Topf. Sie werden wie eine hochspekulative Unternehmensbeteiligung behandelt. Das automatisierte System unterscheidet nicht zwischen schwankenden, aber verlässlichen Einkünften und potenziellen Totalausfällen. Es nimmt lediglich das Etikett einer variablen Vergütung wahr.
Erschwerend kommt eine rein praktische Hürde in den Filialen hinzu. Viele Sachbearbeiter wissen schlicht nicht, wie sie Aktienanteile oder virtuelle Anteile fachlich einordnen sollen. In der Tech-Branche und in modernen Konzernen ist das seit Jahren etabliert. Im klassischen Bankalltag kommt es jedoch selten vor. Was ein Prüfer nicht sauber bewerten kann, setzt er mangels eines passenden Maßstabs im Zweifel auf null.
Warum die Bankenwahl über Ihr Einkommen entscheidet
Es existiert keine einheitliche Richtlinie für Banken zum Umgang mit variablen Gehaltsbestandteilen. Deshalb schwankt die Intensität der Anrechnung enorm. Einige Banken streichen den variablen Teil ohne Ausnahme. Sie legen ausschließlich das Fixgehalt zugrunde. Andere Banken erkennen einen Bonus an. Voraussetzung ist der lückenlose Nachweis über zwei oder drei Jahre. Daraus bilden sie einen Mittelwert. Wieder andere Banken rechnen Aktienanteile anteilig an. Hierfür müssen die regelmäßige Übertragung und die Verkäufe exakt dokumentiert sein. Einige wenige Banken haben eigene Bewertungsverfahren für diese spezielle Klientel entwickelt. Sie kennen die Vergütungsstrukturen in modernen Wirtschaftsbranchen genau.
Die Anrechnung Ihres tatsächlichen Einkommens hängt folglich fast ausschließlich von der Bank ab. Entscheidend ist, bei welchem Haus Ihr Antrag eingereicht wird. Bei dem genannten Beispiel von 140.000 Euro ist die Differenz riesig. Sie kann mehrere hunderttausend Euro beim maximalen Darlehensbetrag ausmachen. Dieser Unterschied resultiert nicht aus abweichenden Zinssätzen. Er entsteht einzig aus der unterschiedlichen Bewertung desselben Einkommens.
An dieser Stelle versagen gängige Vergleichsportale auf struktureller Ebene. Ein Online-Rechner bietet meist nur ein einziges Feld für das Bruttogehalt. Spezifische Angaben lassen sich dort nicht eintragen. Dazu zählen ein seit Jahren erreichter Zielbonus oder ein gestaffelter Zuteilungsplan für Aktienanteile. Das System rechnet folglich mit der konservativsten Annahme. Es ignoriert die Hälfte Ihrer Bezüge. Viele halten das fälschlicherweise für die reale Marktlage.
Wie sich variable Vergütung anrechenbar machen lässt
Ein variabler Gehaltsbestandteil ist für die Baufinanzierung keineswegs verloren. Er muss jedoch lückenlos belegt und für die Bank einordbar aufbereitet werden. Es braucht eine klare Übersetzungsleistung. Ihre Vergütungsstruktur muss so dargestellt werden, dass ein Risikoreferent sie versteht. Er kann sie dann als verlässliches Einkommen mit schwankendem Anteil einstufen. Bei einem Bonus steht der Nachweis der Kontinuität im Vordergrund. Hierzu dienen die Bonuszahlungen der letzten drei bis fünf Jahre. Diese legen Sie zusammen mit dem Arbeitsvertrag oder der Zielvereinbarung vor. Die Dokumente müssen den Bonus als festen Vergütungsbestandteil ausweisen. Der Bonus ist über Jahre im ähnlichen Rahmen geflossen. Dieser Nachweis liefert dem Prüfer die rechtliche Grundlage für eine dauerhafte Anerkennung.
Bei Aktienanteilen ist die Historie der Zuteilung und der Veräußerungen entscheidend. Ein detaillierter Zuteilungsplan zeigt alle Fristen auf. Er macht sichtbar, welche Tranchen zu welchen Zeitpunkten fällig werden. Fügen Sie die Belege über bereits realisierte Verkäufe hinzu. Dadurch wird aus einer unklaren Zusage ein nachvollziehbarer und wiederkehrender Einkommensstrom. Virtuelle Anteile sind in der Bewertung komplexer. Ihre Auszahlung ist an zukünftige Ereignisse gekoppelt. Doch auch hier hilft eine transparente vertragliche Darstellung im Antrag. Sie führt zu deutlich besseren Ergebnissen, als die Position unerklärt mitlaufen zu lassen. Aus all diesen Dokumenten baue ich ein entscheidungsreifes Dossier auf. Der Prüfer muss dadurch nicht rätseln. Er erkennt die Tragfähigkeit der Rate auf einen Blick.
Ich nutze die Plattformen Europace One, Baufinex und das Sparkassen-Forum. Darüber habe ich direkten Zugriff auf über 500 Banken. Darunter befinden sich Spezialanbieter für moderne Vergütungsstrukturen. Auch regionale Institute sind vertreten, die in normalen Portalen gar nicht auftauchen. Ich versuche nicht, Sie passend für eine bestimmte Bank zu machen. Stattdessen finde ich gezielt das Haus, welches Ihr reales Einkommen voll anrechnet. Bei variablen Einkommensanteilen liegt der Hebel nicht in minimalen Zinsunterschieden auf der zweiten Nachkommastelle. Die entscheidende Frage ist vielmehr, ob 140.000 Euro oder nur 90.000 Euro in die Tragbarkeitsrechnung einfließen. Das entscheidet maßgeblich über die tatsächliche Größenordnung Ihrer gesamten Finanzierung.
Was Sie im Vorfeld vorbereiten sollten
Sammeln Sie frühzeitig alle Nachweise für Ihre volle Vergütung. Dazu gehören die Gehaltsabrechnungen und Steuerbescheide der vergangenen Jahre. Halten Sie auch den Arbeitsvertrag und die Zielvereinbarungen zum Bonus bereit. Der exakte Zuteilungsplan Ihrer Aktienanteile sowie die Abrechnungen bereits realisierter Aktienverkäufe sind ebenfalls wichtig. Je lückenloser diese Historie ausfällt, desto besser ist es. Das standardisierte Bankraster hat dann weniger Spielraum, Ihr Einkommen kleinzurechnen.
Stellen Sie sich nicht parallel bei zahlreichen Banken vor, um die Anrechnung nur zu testen. Jede formelle Anfrage hinterlässt Spuren in den Systemen. Ein Antrag wird aufgrund mangelnder Erklärung der Vergütungsstruktur vielleicht mehrfach abgelehnt. Danach lässt er sich mit jeder weiteren Absage schwerer am Markt platzieren. Sinnvoller ist eine einmalige, saubere Aufbereitung des Falls. Reichen Sie ihn direkt bei einem Institut ein, welches variable Vergütungen versteht.
Die gezielte Bankenwahl ist die eigentliche strategische Entscheidung bei Ihrem Einkommensprofil. Ein variables Gehalt ist kein Makel. Es ist lediglich erklärungsbedürftig. Standardrechner reduzieren Ihr Einkommen drastisch. Genau an dem Punkt fängt meine Arbeit an. Eine erste qualifizierte Rückmeldung zu Ihrem Vorhaben erhalten Sie in der Regel innerhalb von 24 Stunden direkt von mir.
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Oliver Urban Diplom-Betriebswirt (FH), unabhängige Beratung für Finanzierungen seit 2004.

